Mariel Gottwick, 2018, Installation in der Toilette mit Video-Projektion auf Waschbecken, endlos Loop mit Sound, Seifenspender auf Sockel an der Wand über dem Waschbecken, Abb., Group Global 3000, Kunst-Projektraum, Berlin

 

 

 

„Lebendige Frische“, 2018

Im Handwaschbecken einer Toilette plätschert leise ein kleiner Teich. Im klaren Wasser spiegelt sich die Sonne, als ob glitzernde
Sterne auf der Wasseroberfläche tanzen. Vögel zwitschern. „Wo bin ich? Ach ja, auf der Toilette.“
Das Wasser plätschert, die Toilettenspülung rauscht, die Fäkalien wegspülend, danach der Wasserhahn am Handwaschbecken. Sauberes, klares Trinkwasser rinnt gurgelnd den Abfluss hinunter. Der Wasserstrahl fließt über meine Hände in den „Teich“, um meine Hände von der Seife zu befreien, der Flüssigseife, die „lebendige Frische“ verspricht.
Tatsächlich – alles wirkt frisch und lebendig und glitzert auf der Wasseroberfläche, doch werfen meine Hände einen dunklen Schatten in den Teich.
Alles irgendwie paradox, das Ganze – sauberes Wasser, wo man hinhört und dazu noch lebendige Frische und Vogelgezwitscher.

 

 

 


 

 

 

 

Mariel Gottwick, 2017, Video, Dauer 20 Sek., mit Bildern von Lukas Cranach d.Jüngeren.,

links, Portrait, Joachim II. Kurfürst von Brandenburg“, Mitte, Adam und Eva, rechts, Portrait, Anna von Minckwitz

 

 

„verstrahlt“

Das Smartphone ist unser ständiger Begleiter geworden. Mit der immer „schussbereiten“ Kamera  bilden wir in unzähligen Fotos unsere erlebte Wirklichkeit neu ab. Mit  dem Transfer der Bilder ins Internet, erleben wir dort eine erweiterte Realität, ja, eine parallele neue Welt, an der jeder, der Zugang zum Internet hat, teilhaben kann. Eine Entwicklung, die eine Demokratisierung der kulturellen Welt ermöglich?

Kunst im Blickwinkel der Digitalisierung, beginnt für mich mit dem Herunterladen von Kunst-Abbildungen aus dem Netz, die dort in unterschiedlichen Auflösungen, Formaten oder Farbstimmungen angeboten werden. Zwischen dem Original und der digitalen Abbildung eines künstlerischen Werks liegen etliche technische Schritte, wie weit sich die digitalen Bilder vom Original entfernt haben, ist für den Nutzer nicht nachvollziehbar und eine Bewertung der Originale bleibt  so unsicher.

In meinem Video habe ich den digitalen Prozess fortgeführt, indem ich das heruntergeladene Bild mit dem Smartphone vom Laptop abfotografiert, das dabei entstandene Foto wiederum auf das Laptop geladen und erneut fotografiert habe. 99 mal habe ich diesen Vorgang, mit drei verschiedenen Bildern von Cranach wiederholt. Die dabei entstandenen 100 Bilder geraten dabei in „Bewegung“. Das Ausgangsbild entfernt sich schnell von seiner ursprünglichen Gestalt. Es d.J.  verwandelt sich in wabernde, blasenartige Formen, in den immer gleichen Farben (schwarz, blau, cyan, rot, pink und weiß) des begrenzten digitalen Raums.

 Durch die digitalen Medien ändert sich die Sicht (nicht nur) auf die kulturelle Welt, – inwiefern sie sich ändert, bleibt abzuwarten.

 

 

 


 

 

 

 

Mariel Gottwick, 2015, Objekte, Fotografie auf Aludibond,  rund, Abb. Durchmesser 30 cm, 40cm, mit plastischen Mitteln bearbeitet.

 

 

„Kreiskultur – Kulturkreis“

Kreisverkehre bestehen aus einer Kreisfahrbahn und einer Mittelinsel. Die häufig von Gemeinderäten geplanten Grünflächen, unterliegen zwar in Durchmesser, Bepflanzungsart und sonstiger dekorativer Gestaltung den Regeln der Straßenverkehrsordnung, trotzdem spiegeln sie oft ein regionales Kulturverständnis wider. 

Sie werden meistens bepflanzt und häufig mit dekorativen Landschaftselementen verschönert oder mit Kunstobjekten ausgestattet. Dabei entstehen manchmal aufwändig gestaltete Miniaturlandschaften mit einem Garten ähnlichen Charakter. Das Absurde daran ist, dass diese reizvollen „Gärten“ nicht für eine (soziale) Nutzung vorgesehen sind. Die häufig, so romantisch angelegten Verkehrsinseln bleiben unerreichbare grüne Inseln, die nur beim Umrunden mit dem Auto einen flüchtigen Blick freigeben.

Den Objekten liegen Luftaufnahmen von real existierenden Kreisverkehren zugrunde. Ich wähle den Blick von oben, die sogenannte Vogelperspektive, die für den Menschen einen eher seltenen Blick auf die Natur wiedergibt, wenn man nicht gerade mit google-earth unterwegs ist. Von dieser medialen Wahrnehmung ausgehend lasse ich von der 2- dimensionalen, fotografischen Wirklichkeit  tortenplatten große 3 -dimensionale Miniaturkreisverkehre entstehen. Durch die Umgestaltung der Verkehrsflächen in fantastische Grünflächen und beseelte Gärten erfahren sie eine neue, paradoxe Bedeutung.